Dienstag, 27. Januar 2009

Vladimir - Januarende.


Weggeföhnte, vorher beissende, jetzt streichelnde Kälte. Die Ovomütze vermisse ich bloss selten. Gestern habe ich gar einen verwirrten Vogel gehört. Offensichtlich kein Zugvogel. Der dachte ob der neuen Kälte, also eigentlich Wärme wohl an Frühlingserwachen, frische Körner und grüne Wiesen. Aber selbstverständlich hat sich das dumme Gefieder getäuscht und wohl rasch das Konzert abgebrochen. Da kommt mir in den Sinn, dass Gras wohl schneller wächst, wenn mensch oben zieht. Item. Ich bin ein Phlegma. Nichts geschieht. Seit zwei Tagen mache ich blau, ohne blau zu sein. Ein permanenter Schlumpf. In der Monbijouloge sitzend und liegend lasse ich meine Haare wachsen, gucke gar Aufzeichnungen von Ski-Slalom-1.-Läufe und verdrücke Schinkengipfeli. Mein Körper breitet sich aus. Nicht zu einem dicken Körper. Einfach massiger und weicher. Wie ein schlecht gepumptes Gummiboot. Ich schmälere meine Chancen auf dem Frauenmarkt. Eine Lorenzinifrau hat mir einmal erzählt: „Frau steht erst auf muskulöse Männer, wenn sie einen hatte.“ Ich habe, bierinduziert, zurückgelallt: „Wer im Glashaus sitzt, sollte lieber im Keller bumsen.“ Damit war dieser anregende Dialog zu einem natürlichen Ende gekommen. Wieder item. Ich liege immer noch und esse Blätterteigreste von einem Schinkengipfeli. Es hätte neue im Tiefkühlabteil. Aber die sind in der der Küche und damit unerreichbar. Morgen gehe ich ins Büro, ziemlich sicher, vielleicht. Aber frühstücken werde ich alleine, das kann nämlich sehr undoof sein.

Montag, 19. Januar 2009

Mia - Stirnfransen.


Und wieder höre ich sie. Diese Eisschollen, eigentlich Eisschöllchen. Sie tuckern die Aare runter. Zusammenfrieren können sie nicht; die Strömung ist zu stark. Also schwimmen die Eisstücke auf dem Fluss, reiben sich aneinander und machen knisternde Laute. - Ich stapfe bis zum Dählhölzli, gucke mir das leere Bibergehege an und schlöfle laufend über das Eis zurück zur Kornhausbrücke, zurück nach Hause. Weil es frisch ist, trage ich die Ovomütze, die vom Küchenmauerpisser (KMP). Die Haare des Mützenträgers a.k.a. KMP habe ich aber behalten. Warum weiss ich auch nicht. Als Hommage an den Herrn Newton, habe ich diese in meine Agenda geklebt. Im Postspaziergangzustand, also in der Wohnung im Breitsch, trage ich die Mütze nicht mehr. Die Haare, meine eigenen, sind nun an der freien Wohnungsluft. Einigermassen zersaust, wie eine blondierte Amazonenkriegerin. Mit der Bürste zähme ich die Wildheit zu einer gepflegten Bravheit. Die Bravheit inkludiert Stirnfransen, Sophie Marceau-Fransen. Fransen weil einerseits ein Ex auf ebendiese stand und auch weil ich auf der Stirn eine kleine Narbe habe. Dies kam so: Ich habe “drücken“ und “ziehen“ verwechselt und bin in einen Türrahmen geknallt. Obwohl eigentlich ist der Türrahmen in mich geknallt. Aber diese Unterscheidung dünkt mich nicht so wichtig. Entscheidend ist hingegen folgendes: Ich bin Alphabetin, aber nehme mir nicht die Zeit grundsätzliche Botschaften, wie eben “drücken“ und “ziehen“ zu lesen. Was ich wohl sonst noch alles im Leben verpasse? – Chris Isaak dudelt. Oder ist es Johnny Cash. Nein, zu weich, es ist der Isaak. Ich liege im Bett und lese und denke mir, morgen will ich nicht alleine frühstücken. Denn alleine frühstücken ist doof.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Vladimir - Mönchshaare.

Es ist frisch geworden und dies ohne frischen Schnee. Über Nacht wurde das Stadtbild einfach eingefroren. Wie damals in Pompeji, einfach kühler. Seither jeden Tag das gleiche Bild: Eis, Schnee, gefrorene Bäume, frierende Katzen und Rutschpartien allenthalben. Frühmorgendlich friere ich mich zur Arbeit, auch weil meine Mütze fehlt. Diese blöde Kuh hat mir den Wärmeschutz in der Silvesternacht geklaut. Da ich pinkelnd, kirchenanpinkelnd war, konnte ich sie nicht verfolgen. Aber nicht bloss die Mütze ist weg, nein, ein Büschel Haare hat die Frau gleich mitausgerissen, mitgeklaut. Nun trage ich Mönchshaare. Was sie wohl mit meiner Mütze, mit meinen Haaren macht? Sinnvollerweise schmeisst sie die Haare in den Ghüder. Nicht wie ich damals, nach dieser Dienstreise nach Amerika, als ich diese Frau kennengelernt hatte und romantisch verklärt ein langes Frauenhaar nach unserer letzten Begegnung in meine Agenda eingeklebt hatte. Das gab anschliessend monumentale Lämpen in der Schweiz, als die eigentliche Freundin diese lange Hornhaut entdeckte. Ach herrje, war das ein Drama. Aber seither sind schon viele Haare nachgewachsen. Nun sitze ich wieder in meiner Wohnung im Monbijou, in der tamilischen Dependance, höre Chris Isaak und sehne mich nach Schinkengipfeli, tami, Schinkengipfeli. Diese kompakten Sandwiches mit kaschiertem Schinken.

Vladimir bedankt sich bei Herrn Newton. Er steuerte ein Haar zu diesem Eintrag bei.

Samstag, 3. Januar 2009

Mia - Im Dazwischen.


Tatsächlich gab es ein mutloses Fondue Chinoise, mit vegetarischer Variante. Aber da der Jamie Oliver-Verschnitt eine Fleischbouillon statt der gefragten laktose- und glutenfreien Variante wählte, war in der Gemüseabteilung der Laden bereits präsilvesterisch runtergefallen. Ich fühlte mich nicht als Platzfüllerin, aber angeschissen hat mich der Anlass aka “das Fest“ doch einigermassen. Neben mir sass ein Mann, ein Wirtschaftsprüfer, also kein richtiger Mann. Er sprach langsam und hektisch, gleichzeitig. Es ging um eine Gesetzesrevision und allerhand Fees, die nun quasi auf der Strasse liegen. Bald einmal hörte ich ihm nicht mehr zu, sondern habe mein inneres Lauschgerät ausgeschaltet. In der Stille wirkte er wie ein Fisch, er blubberte, manchmal sah ich tief in seinen Mund, das Gurgeli schwang aufgeregt hin und her. Die Bewegungen plötzlich langsamer. Dann fiel ein Stück Artischocke auf das Kinn, verfolgt von etwas weissweinweissem Speichel. Ich und eine andere gelangweilte Frau rauchten eine stumme Zigarette auf dem kleinen und saukalten Balkon. So ein “Abfallsack-Rausteller-Balkon“. Dann verabschiedeten wir uns französisch und latschten mangels Taxi zum Kornhaus. Maskenball. Maskenball? Ganz schrecklich. Die Garderobenschlange stockwerklang. Zudem gab es eine Maskenpolizei, die “Maskguard“, damit die Masken auch eifrig getragen wurden. Nach einer halben Stunde bestellte ich mein drittes Mehrwegbecherbier und schmuggelte dieses aus dem Kornhaus. Die stumme Kollegin sass im Toilettenstau. Egal. Draussen spazierte ich einigermassen gerade durch die kalte Altstadt. Der matschige Boden versperrte meinen offenen Schuhen einige Wege, also landete ich wie eine Pacmanin auf meinem Weg in den Breitsch bei der französischen Kirche. Dort pinkelte ein Scheusal an die Wände. Als Bestrafung, nicht nur für die Pisserei, sondern auch für den mudrigen Abend per se habe ich seine Mütze, seine Ovomaltinemütze, vom Kopf geklaut. Die liegt nun neben dem Kamillentee auf dem Küchentisch. Einige Haare, schwarze Haare, kleben auch darin. Eklig. Ich werde sie wohl waschen.

Freitag, 2. Januar 2009

Vladimir - 1. Januar.


Nicht bewegen, nicht bewegen, ein bisschen nach rechts. Angenehmer? Kaum. Dieses Pochen, elend. Wenn ich jetzt noch mehr Wasser trinke, dann kotze ich. Beschissenes Fondue Chinoise. Einfach zu wenig Nahrung. So kann man doch nicht bödelen. Uuh. Jetzt riecht es nach Tartarsosse, irgendwo aus der Tiefe meines Körpers. – Nun, jetzt ist alles raus. Kotze raus, Brot und Panadol extra rein. Habe ich die Ukrainerin geküsst? Und wenn ich dies getan habe, weshalb? Eigentlich… ach, auch Schnurz. Vergessen und ignorieren wir den gestrigen Abend einfach. Schinkengipfeli. Ich will Schinkengipfeli, viele. Aber hier im Monbijou ist um diese Zeit wohl kein Beck offen. Also entschliesse ich mich für einen Spaziergang zum Bahnhof. Sollte ich vorher duschen? Nein, zu gefährlich, ich könnte ertrinken. Zu Fuss? Mmh, würde mir wohl gut tun. Frische Luft und so. Also zu Fuss zum Hirschengraben. Erstaunlich viele Menschen sind unterwegs. Wohin die wohl gehen? Die Schinkengipfeli esse ich gehend, immer noch leicht wankend. Habe ich wirklich an die Französische Kirche gepisst? Wohl schon. Zum Glück ist nix abgefroren. Das habe ich jetzt wohl laut gesagt, weil die ältere Frau neben mir an der Tramstation, guckt mich ziemlich schräg an. Schinkengipfelig fühle ich mich besser, weniger schwindlig. Nehme das Tram runter ins Monbijou. Seit fünf Monaten lebe ich dort in einer kleinen Loge. Über einem Tamilenrestaurant. Ich mag den Geruch des Essens sehr. Er übertüncht die Modrigkeit meiner Wohnung. – Bald sind die Festtage vorbei und die Arbeit beginnt wieder. Inzwischen freue ich mich auf die geregelte Normalität des Büros. Die weihnächtliche Frust- und Fress- und Sauf- und leider nicht-Frauen-Orgie ist vorbei. Ich esse jetzt wohl noch ein Schinkengipfeli. Soll ich es zuerst in der Mikrowelle aufwärmen?

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Mia - Silvestertag.


Draussen eisregnet es. Eben bin ich mit der übervollen Einkaufstasche aus Papier durch diesen Zwitter aus Regen und Schnee geeilt. Vom Coop am Breitschplatz bis zu meiner Wohnung in einem 1. Stock. Jetzt sitze ich am Küchentisch und schnause einzelne Brotstücke. Eigentlich möchte ich den Silvesterabendessenhunger nicht verderben, aber der Appetit schlägt unbarmherzig zu. Ich steigere die Schnauserei in ein Verschlingen. Heute ist Silvester und ich bin bei Freunden und Freundesfreunden und Platzfüllern zum Abendessen eingeladen. Kennen tue ich nicht alle. Vermutlich, leider gibt es ein obligates Fondue Chinoise, lustige Papierhütchen und mitternächtliche Umarmungen und Küsschenorgien. „Guets Nöis“. Item, ich freue mich. Einige, auch ich, gehen später noch an einen Elektropartymaskenball ins Kornhaus, ich auch. Die passende Maske liegt auf dem Küchentisch. Die Federn voller Brotkrumen. Ein Vogel mit Schuppen. Soll ich mich hinlegen? Ja. Später sitze ich auf der Umrandung der Badewanne und rasiere meine Beine und die Bikinizone. Auch die obere Bikinizone wird kurz versorgt. Neben der linken Brustwarze wächst seit einigen Jahren ein Haar, immer an der gleichen Stelle. Ich pinzette das Teil ins Nirvana. Dann unter die Dusche, Haare, kurz und lang, kleben an meinem Körper und in der Wanne. Egal. Meine Haare sind schnell ausgangstauglich. Heute knote ich einen Pferdeschwanz, nicht nur aus Bequemlichkeit. Auch um meinen Hals, eine meiner guten Seiten, zu zeigen. Zudem wirke ich jünger als meine 35 Jahre. Eher wie ein grosses Mädchen das noch mit Pferden arbeitet oder eine Studentin, welche ein paar Semester verpasst (in einem Kibbuz oder so) verpasst hat. Das Kleid mit den langen Ärmeln, passablem Dekolletee sowie einer grossen Hand zwischen Kniescheibe und Rock steht mir seit Jahren. Ich denke an Friedrich. Einmal kam er spät nach Hause. Ich lag auf dem Sofa, schlafend, in diesem Kleid. Er legte sich auf mich, Kopf zwischen den Brüsten. Sonst nix. Er wollte wohl, alkoholbedingt, so schlafen. Ich hingegen bin aufgewacht und bugsierte in von meinem Körper runter. Er fiel und hielt sich an meinem Kleid, dem gleichen Kleid. Es riss genau an der Naht, vom Knie bis in Bauchnabelnähe. Geflickt habe ich es bloss teilweise, zudem mit der falschen Farbe (rot statt schwarz). Friedrich verschwand dann rasch aus meinem Leben. Nicht wegen dem Kleid, sondern weil er ein Langweiler war und zudem ein bisschen roch. Nicht schlimm, aber mich hat es gestört. Was aus ihm geworden ist, weiss ich nicht. Ob er wohl besser riecht? Ich hätte es ihm sagen sollen. Egal, das ist schon lange her. Ich gehe jetzt aufs Tram.

Montag, 22. Dezember 2008

Rettet drrrrrr Bund - II.

Drrr Bund soll also aus der Stadt Bern verschwinden. Schampar unschön ist das. So denken viele Menschen. Deshalb auch die beeindruckende Solidarität.

Aber diese rein-binäre Solidarität ist nicht nachhaltig. Auch Abopreiserhöhungen dünken mich nicht sinnvoll, verhindern sie doch den Zugang für potentielle neue LeserInnen. Vorgeschlagen wurde auch der Reverse-merger mit der BZ. Auch eher unwahrscheinlich, ist die BZ doch einigermassen erfolgreich und ein solcher Schritt würde rein ökonomisch keinen Sinn machen. Zusammenarbeit mit NZZ oder Tagi? Könnte schlimmer sein. Aber halt auch ein Seich, denn abgesehen von internationaler Politik sind fast alle Inhalte (Kultur, Sport, Wirtschaft, Gesellschaft) regional geprägt. Und wer in Bern will schon wissen, was in Oerlikon geschieht? - Sackgassen allenthalben.

Nun habe ich auch keine Lösung, bloss eine Idee. Angenommen drrr Bund entwickelt sich in den nächsten Monaten weiter und steigert das hohe Niveau auf nationale Spitze (wo er sich doch eigentlich auch befindet). Intelligente Artikel, aufsehenerregende journalistische Leistungen und spektakuläre Aktionen (beispielsweise Bund-VerkäuferInnen am Bahnhof, welche wie früher “Drrr Bund” schreien) … und das Komitee sowie die interessierten Bund-LeserInnen sorgen dafür, dass diese Leistungen breit kommuniziert werden. Zudem steigern wir gemeinsam die Anzahl Abos durch Geschenke und Mund-zu-Mund-Werbung. In sechs Monaten wird Tamedia erkennen, dass der Bund doch noch atmet, und wie. Der Patient hat plötzlich einen Wert, und Wert ist die Sprache der Manager. Aber da die Beziehung zwischen Tamedia und Bund deutlich abgekühlt wird, entscheidet sich der VR für einen Verkauf an eine andere Gruppe. Unter dem Mantel dieses neuen Konzerns könnte der Bund einen Neustart schaffen. Nur eine Idee. Vielleicht.

Einen Florence machen XXI.


Modell Engel sind allenfalls kabellos.

Ein Florence, scheinbar wie geschaffen für die besinnliche Zeit vor der Geburt dieses einen Gottes. Die wallenden, silikongeschwängerten Flügel bilden den Rahmen für das gabrieleske Epizentrum des Engelmotives. Zentral, über dem klassischen, in diesem Modell ziemlich kaschierten, Florence schlängelt sich ein Kabel (dreipolig) mit der Intention die Flügel mit Energie zu versorgen. Diese abgekapselten Flugutensilien reagieren aber klassisch biblisch, also sperrig und öffnen die notwendigen Verbindungslöcher nicht. Das Florence-Herz reagiert ungestüm und versucht "wireless" die Energie übertragen. Ob dies wohl gelingt? - Der Florence "Engel sind allenfalls kabellos." steht in der bemerkenswerten Kulturtradition wichtiger Engel, wie Hell's Angels, "Engie" (Rolling Stones), "Engeeeeland" (Randy Stokes, Fussballfanatiker aus Birmingham, derzeit mit kontinentaleuropäischem Stadionverbot versehen) und "Engel sind doof" (Mahlmeister Josef, Köln 2006).

Freitag, 12. Dezember 2008

Rettet drrrrrrr Bund.

Also, der Aquaman will den Bund retten. Scheinbar insbesondere wegen dem "Kleinen Bund", weil er diesen zwar nicht versteht und jeweils mit dem Stellenanzeiger altpapiermässig entsorgt, aber weil es einfach schick ist, mag er den "Kleinen Bund". Item. Den Bund können wir alle retten. Dazu hat sich auch bereits Herr Präsident-elect Baracke Obama geäussert: "Jaja, das geit." Andererseits meint ein gewisser Herr "Kall-schnitt": "Diversifikation, mein Arsch.". Also, wir haben einen Widerspruch. Der Hussein gegen diesen Nicht-Berner-aber-den-Berner-sagend-dass-der-Bund-verschwinden-soll-Mann. Das Advents-Duell des Jahres, wenigstens in Bern. Anfänglich war der Nicht-Hussein in Führung, aber nun schlägt die Bund-treue Bevölkerung zurück und zwängelet zum Nachdenken. Nun stellen sich in Zürich zwei Fragen: 1. Wird der Bund überschätzt? (Antwort aus dem Think Tank von Tamedia: "Nö!") 2. Wird Knoblauch überschätzt? (Der Think Tank will noch darüber tanken.) Ursprünglich war auch noch die Frage: "Ist der GC (ja, DER Grasshopper Club) stärker als der YB (ja, auch)?" Aber diese Frage war ein Witz. Sind doch die Grössenverhältnisse in der NLA einigermassen geklärt. Aber zurück zu Herrn Kahlkopf. Wir können diesen schon noch in die Flucht schlagen. Einfach mal die Petition unterschreiben, vorteilhaft mit dem korrekten Namen und nicht mit zwei YY beim Nachnamen, welche dann nicht mehr gelöscht werden können. Ich danke Euch und wünsche zudem Nachnamen ohne Y. Merci.

Klick mal hier: http:/rettet-den-bund.ch/. Noch einmal merci.

Mittwoch, 26. November 2008

Kistenereien, gefühlt endlos.

Sie stehen da, vorwurfsvoll,
manche voll, manche leer,
mindestens eine unbrauchbar.
Überall lungern sie,
blockieren Fluchtwege.
Und schwer sind sie auch noch,
diese Kisten, diese beigen Mühsamkeiten.

Die Rollkoffer äugen grimmig,
überheblich auf die Kisten.
Sie blöffen mit ihren Rädchen,
Rädchen, welche aufgrund exzessiven
Einsatzes stadtbernischer Steinchenstreuereien,
einigermassen sinnlos geworden sind.
Da stopfe ich doch lieber eine Kiste
und schleppe diese rädchenfrei durch den Breitsch.

Donnerstag, 20. November 2008

Er und sie parlieren.

Er schweigt, weil jedes Wort Wildbäche an Buchstaben auslösen könnte.
Sie spricht über Politik: Beispielsweise dieser Herr B. Dieser solle, nein müsse vor Gericht gestellt werden. Dann ein Windstoss. Plötzlich ein neues Thema: Konfrontation mit früheren Arbeiten, will sie wissen.
Er blubbert einige Standardsätze, verniedlicht sich selbst.
Sie weiss, dass er kokettiert, auf Komplimente aus ist. Sie tut ihm diesen Gefallen nicht.
Nun stehen sie unter voluminösen Kastanienbäumen. Der Wind schmeisst die Chegelen wie Handgranaten auf die Spaziergänger. Auch die Eichhörnchen gehen in Deckung.
Er denkt an die schuldlosen Hunde, welche sich an den Stacheln der Kastanienhüllen verletzen.
Sie probiert Ideen aus wie Kleider: Die Küche neu streichen. Die Haare zu einem Pferdeschwanz binden. Den Parkett abschleifen.
Er würde gerne wandern oder Fussball gucken. Generell lebt er in Unkenntnis der Realitäten.
Sie hingegen nicht. Unabhängig davon bestellt sie ein Frühstück mit einem Milchkafi.
Er und sie parlieren weiter.

Dienstag, 11. November 2008

Bei den Silbermenschen - CHEessica and CHElly.

Winds of CHEnge. The sad CHElly fish kisses CHEssica Simpson, in his sweet-water dreams, while listening to polka music from the CHEck Republic. In his dreams CHElly fish bubbles in the CHEdow of the weeping willow: "You have no CHEnce CHEssica, you need to consider a CHEnder CHEnge." CHEntly, CHEntly, old faCHEned CHEssica puts the horn to her mouth and starts to blow it CHElincately. CHElly hears this and thinks about the maCHEstic walls of CHErico, being attacked by the very blond Señorita Simpson. CHErico, the new capital of the Altiplano, where the dinosaurs sleep eternally in the CHErassic park. Where Dr. Ernesto aka CHElly CHEck out CHEssica's CHEst. But she does not notice and eats some CHElati, CHElly fish CHElati and thinnks about the nothingness of the CHE. TouCHE.

Sonntag, 2. November 2008

Bei den Silbermenschen - Der grosse Wind.

Aufgewirbelte Sandkörner, durcheinander, sie sammeln sich zu Sandherden. Gemeinsam lauern sie auf den nächsten Windstoss. Da weht er dahin und die Sandkörner reiten auf der Welle, der Windwelle, in Windeseile. Sie weichen Hindernissen aus, sie fliegen mit Blättern, Kaugummipapierchen, Konfetti vom letzten Allerheiligen und allerlei Firlefanz. Und dann... ein Berg, ein Mann: Das Gesicht von Julio Lopez. Wie tausende Pfeile, Pfeilchen, abgeschossen von wütenden Sandindianern. Julio schützt seine Augen mit einer Hand. Nach einigen Sekunden ist der Angriff vorbei und Julio öffnet seine Augen. Zur Orientierung sucht er die vertrauten Berge, die Sechstausender an der Chilenisch-Argentinischen Grenze. Darunter die natürliche Auffahrrampe mit dem spärlichen Gewächs, die Windbeschleuniger der Anden, das Bio-CERN. Der Föhn heisst hier Zonda, aber daran denkt Julio im Moment nicht. Er guckt über die Anden, sieht Wolken, eine Simpsonwolke, eine andere sieht schampar aus wie ein Wal, ein Orka wohl. Item, Erinnerungen werden keine geweckt. Julio denkt nur ans Jetzt. Er arbeitet in dieser kleinen Stadt in den Bergen als Drachenbauer. Der tägliche und regelmässig einsetzende Abendwind bildet seine Geschäftsgrundlage. Seine Drachen bastelt er aus allerlei Material. Bambus, welcher zwischen den Trauerweiden unten am Entenfluss wächst. Den Plastiktüten, die die Cordillera, die Wüste, die Strassen bekleiden. Die Formen der Drachen sind vielfältig: Vögel, Flugzeuge, Zeppeline, Fische (eigentlich eher ungern, aber die Kunden kaufen diese wie warme Empanadas), mehr Fische und Maradona's Kopf. Seine besten Kunden sind die Kinder. Also eigentlich die Eltern. Aber die Kinder quengeln so lange, bis die Eltern zu Julio schlendern und ihm 10 Pesos in die Hand drücken. An Fische, an deren Geruch, denkt er fast nie mehr. Leben tut er alleine, in einem Adobehaus. Besuch kriegt er selten. Manchmal Blanco, der Hund. Er hat jetzt aber eine Satelittenschüssel. Seither ist er nicht mehr so einsam. Manchmal sinniert er. Wie bin ich bloss hierher gekommen? Eben war ich doch noch am Meer, im Meer, bei den doofen Fischen. Wie ist Julio Lopez bloss in die Anden geraten?

Dienstag, 28. Oktober 2008

Bei den Silbermenschen - wo ist Julio Lopez?


Julio's Vater war Fischermann.
Julio's Grossvater war Fischermann.
Julio's Urgrossvater arbeitete als Schmied. Aber dies wurde ihm zu langweilig. Also wurde er Fischermann.
Julio ist noch zu jung für Männerarbeit, eigentlich überhaupt, für irgendwelche Arbeit.
Julio geht noch zur Schule.
Julio lebt zusammen mit seinen beiden Brüdern (der ältere kitzelt ihn oft, manchmal bis die Tränen kommen), den Eltern, einer Grossmutter (mütterlicherseits) und einem fetten Labrador in einem Fischerdorf in Patagonien, am Atlantik. Aufgrund der kalten Antarktisströmungen tummeln sich kaum Fische im Meer. Also ist die Fischerei kein Dulce-de-Leche-Schlecken. Dementsprechend isst die Fischerfamilie Lopez mehr Fleisch als Fisch. Fleisch aus den unendlichen Weiden Patagonien's.
Julio hasst Fisch. Er hasst den Anblick, den Geruch, die Schuppen, die starrenden Augen.
Julio wischt sich seine Hände mindestens einmal pro Stunde. Der Fischgeruch soll sich verflüchtigen. Soll untergehen im Seifenbad.
Julio muss trotz seiner Jugend mitarbeiten. Nicht beim Angeln, aber bei der Präparation der schleimigen Fische für den Markt, bei der Filetierung, beim Transport. Der Fischgestank dringt in seine Poren, nistet sich ein. Die Kleider riechen nach Fisch. Er trägt Schuppen aus Baumwolle. Auch die Familie, die Möbel, die Bücher, die Luft.
Julio lebt in einem Walfisch.
Julio ist ein Fisch (Sternzeichen Wassermann).
Die vielen Stunden mit der geliebten Seife, das Gerubbel, die schamparen Anstrengungen gegen die Düfte können dies nicht verhindern.
Julio ist ein Fisch.
Er springt ins Meer, er schwimmt, er taucht. Ein Fisch bei Fischen. Tauchend wachsen Kiemen, spriessen Flossen. Die Haut mutiert zu Schuppen. Julio ist ein Fisch.
Julio taucht unter. Das Dorf fragt sich: "Wo ist Julio Lopez?"

Dienstag, 14. Oktober 2008

Bei den Silbermenschen - Herr J. wagt eine Affäre.

Das Delta des braunen Stromes Parana ist seine Heimat. Seit beinahe sechzig Jahren lebt Herr J. nun schon in Tigre, der Stadt am Ufer des Parana's. Herr J. wohnt mit seiner Frau in einem Stelzenhaus. Diese Stelzen sind notwendig, damit das Haus bei Hochwasser oder Flut nicht unter Wasser steht. Herr J. ist ein pensionierter Auditor, ein belesener Auditor. Seit dem Beginn des Rentenalters sind seine Tage nicht mehr ausgefüllt. Meistens sitzt er zuhause, liest die Zeitung oder werkelt am Haus herum. Frau J. ist ebenfalls meistens im Stelzenhaus. Sie kocht, sie putzt, sie schläft (dazu atmet sie einigermassen laut). Auch wenn Herr J. dies nie laut sagt, nur in seinem Kopf, findet er die Anwesenheit von Frau J. meist als störend. Er hört ihr kaum zu, wenn sie wieder eine ihrer Geschichten, ihrer Jammergeschichten erzählt. Die Nachbarn tun scheinbar allerhand mühsame Sachen. Item, ruhig ist sie auf jeden Fall nie. Aber Ruhe wünscht sich Herr J. Denn er möchte lesen, stundenlang lesen. Die Parks und Cafes sind ihm auch zu laut und im Stelzenhaus fuhrwercht die lärmige Ehefrau. Herr J. möchte lesen, stattdessen wird er rastlos, immer öfter ausfällig, weil er seiner Leidenschaft nicht nachgehen kann. Ausfällig, um sich gleich wieder bei Ehefrau J. zu entschuldigen. Denn Herr J. liebt seine Frau. Aber er liebt halt auch seine Bücher. An einem Dienstag Vormittag sitzt Herr J. auf dem Sofa und liest Borges. Frau J. beschliesst ein Tänzchen mit dem Staubsauger zu wagen. Da macht sich Herr J. aus dem Staub, besteigt den nächsten Zug von Tigre nach Buenos Aires. Dort, in der Hauptstadt, ist der Lärmpegel aber noch lauter als im Stelzenhaus. Die Porteños sind kollektiv am Staubsaugen. Herr J. verdreht die müden Augen, dann den Kopf und schlussendlich seinen ganzen drahtigen Körper. Vor Schreck eilt er in die nächste Bar und bestellt einen Kafi mit einem grossen, kalten Mineralwasser. Der nicht unfreundliche Barmann lehnt aber seinen Wunsch überraschend ab. Herr J., nun nervlich am Grenzübergang zum Nervenzusammenbruch, erkennt seinen Irrtum erst nach einigen Sekunden. Er steht an einer Hotelreception. Also nimmt er sich trotzig und spontan ein Zimmer, für eine Nacht. Schliesslich würde er nie eine Bar mit einem Hotelzimmer verwechseln. Im Hotelzimmer ist es ruhig, bloss dumpfer und entfernter Strassenlärm. Herr J. legt sich auf das Bett und liest Borges. Fünf Stunden später besteigt er den Regionalzug nach Tigre. Seine Frau im Stelzenhaus fragt ihn, wo er den bloss gewesen sei. Das Mittagessen und in inzwischen auch das Abendessen seien im Kühlschrank. Herr J. meint, er sei in der Stadt gewesen. Bald geht Herr J. mehrmals pro Woche und später gar an jedem Wochentag nach Buenos Aires, checkt in das Hotel ein, liest und eilt dann pünktlich zum Abendessen zurück nach Tigre. Frau J. ist misstrauisch, sagt aber nichts. Frau J. sagt grundsätzlich nicht viel. Aber, kurz vor Weihnachten hält es Frau J. nicht mehr aus. Sie will wissen, was ihr Mann in der Hauptstadt treibt. Ist er ein Spieler? Hat er eine Affäre? Also folgt sie ihm, zuerst auf dem Zug, dann in den Strassen, schlussendlich bis in die Hotellobby. Dort überhört sie absichtlich die Zimmernummer. Dieses Schwein, denkt sie. Che boludo. Das lässt sie sich nicht gefallen. Nach zwanzig Minuten, inzwischen sind vier ältere, eher schlampige Señoras durch die Lobby gestapft, klopft Frau J. an das Hotelzimmer ihres Ehemann's. Dieser öffnet. Frau J. stürmt in das Zimmer und sucht die andere Frau, die Schlampe. Sie findet aber nur den papierenen Borges. Inzwischen wird das Stelzenhaus nur noch selten einem Staubsaugertänzchen ausgesetzt. Dafür liest Herr J. nun zuhause. Borges und Herr J. brauchen kein Hotelzimmer mehr für ihre Affäre.